Sonntag, 20. November 2016

der sinn des lebens ♥ eine kurzgeschichte




Das Auto rast mit einer unheimlich schnellen Geschwindigkeit auf mich zu und ich kann nicht mehr ausweichen. Alles geht viel zu schnell. Mein Herz stockt, mein Atem geht schneller und mein Körper fliegt in der Luft. Für einen kurzen Moment schwebe ich. Fühle mich frei. Dann pralle ich auf der Straße auf, kein Schmerz empfinde ich dabei. Ich sehe nur noch das tiefe, bodenlose Nichts.


grunge, car, and light Bild




Leichtsinnig sind wir. Manchmal passen wir nicht auf und liegen unter der Erde. Manchmal passen wir auf und liegen dort trotzdem. Früher oder später ist von uns nicht mehr viel übrig. Das macht einem irgendwie Angst. Die Erkenntnis, dass später alles vorbei ist. Und dieses 'später?' Wann kommt das? Es kann morgen kommen, übermorgen, in 10 Jahren, 50 Jahren..

Ich hatte immer gedacht, ich hätte noch Zeit. Schließlich war ich erst Studentin an der Uni, lebte in meiner eigenen kleinen Wohnung und mein Leben fing gerade erst an. Schon früh hatte ich über Gemeinnützige Arbeit und Spenden nachgedacht, konnte es aber noch nicht erfolgreich verwirklichen. Ich wollte Gutes in der Welt bewirken. So viele Träume hatte ich. So viele unerfüllte, offene Träume.

Während ich mich dort im Krankenhausbett liegen sehe, würde ich am liebsten schreien und weinen zugleich. Mein Körper liegt dort, während mein Geist es mitansehen muss. Hoffend, bangend, dass der Körper stark genug wird. Und in all dieser Zeit denkt man so intensiv über sein Leben nach. Über all das, was man nicht machen konnte, über all die verpatzten Chancen.

Ich erinnere mich an die Zeit, in der ich wie verrückt gespart habe. Mein ganzes Taschengeld wurde gespart, damit ich mir das neuste iPhone leisten konnte. Damals war ich sonst nicht cool. Meine Mitschüler hätten mich sonst ausgelacht. Ich sparte und sparte. Als ich das Handy jahre später in den Händen hielt, war ich für einen Moment überglücklich. Ich bekam Lob in der Schule, meine Mitschüler belächelten mich. Alles schien in Ordnung. Bis jemand hinter meinem Rücken anfing, über mich herzuziehen. Ich wäre auch nicht cooler mit meinem neuen Handy. Ich wusste nicht, was ich machen sollte. Was wollten sie denn noch, damit sie mich endlich akzeptierten? Mich vielleicht sogar mochten?

Es ging so weiter. Materielles wurde immer wichtiger. Ohne Marken war man ein Nichts. Und ich wollte kein Nichts sein.

Aber mit der Zeit merkte ich, dass es mich nicht glücklicher machte. Es war wie ein Schein. Von außen betrachtet war ich das typische Mitläufermädel, von innen sah es ganz anders aus. Ich begann darüber nachzudenken. Stundenlang saß ich da und meine Gedanken drifteten ab.

Mir wurde klar, dass es nicht darum geht, sich zu verändern, nur um dazuzugehören. Mir wurde klar, dass nicht ich es war, die sich verändern müsste. Jeder Mensch ist einzigartig und wieso läuft man mit der Masse mit? Weil es einfacher ist? Ich hatte Angst, gegen den Strom zu schwimmen. Hass und Kritik prallte nicht an mir ab, sondern fand schnell einen Weg in mein Herz.

Mit jeder Erfahrung lernt man. Reift man. Mein Lebensrückblick geht weiter. Ich sehe das Rentner Paar vor mir. Es war eines Tages im Park. Sie saßen neben mir auf der Bank und unterhielten sich mit mir. Es war eines der schönen Nachmittage meines Lebens. Die Erinnerung ist so präsent in meinem Kopf.
Die Frau hatte das schönste Lächeln und die gütigsten Augen, die ich je gesehen hatte. Der Mann den verträumtesten und sehligsten Ausdruck. Zusammen hamonierten sie nicht nur perfekt, sondern sie lachten, freuten und redeten miteinander.

Diese Liebe, die zwischen den beiden war, war nicht nur wunderschön. Es war überwältigend. Denn Liebe bekam ab diesem Moment eine neue Bedeutung für mich.

love, couple, and old Bild


Mir wurde bewusst, wie unwichtig das Aussehen war. Worum es wirklich geht, ist der Charakter und die Taten, die der Mensch macht. Der Umgang, der Spaß.

Interessant, aus welchen Momenten das Leben besteht. Was einen besonders geprägt hat.
Wisst ihr, woran ich bisher noch keinen Gedanken verschwendet habe? Das Internet.
Komisch.
Sonst ist das Internet ja immer das wichtigste auf der Welt.

Wenn man später auf sein Leben zurücksieht, will man dann die stundenlange Zeit vor dem Internet sehen? Die verpatzen Chancen, die vergeudeten Tage und Jahre?
Man hätte etwas unternehmen können. Die Welt entdecken und Erinnerungen sammeln können.

Jetzt, im Nachhinein, wird mir das umso bewusster. Wie viel Zeit ich vertrödelt und unbenutzt ließ.

"Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben. Es ist zu viel Zeit, die nicht richtig genutzt wird."

Einige Ärzte betreten mein Zimmer, als plötzlich der Alarm losgeht. Was passiert hier? Sie schieben mich aus dem Raum, ich laufe hinterher. Dann fallen meine Augen zu.

Ich wache auf. Betrachte das Zimmer, in dem ich liege.
Sehe die Blumen. Die Karten.
Und merke. Was wirklich wichtig ist.. Liebe. Erfahrungen, Erinnerungen, Erlebnisse, Träume, Momente, Familienabende, Bücher, Musik, Blumen, Dankbarkeit, Herzlichkeit, Ehrlichkeit, Tiere, Freiheit.
LEBEN.




bilder von weheartit
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